Reiner Calmund spannendes Leben – Heute feiert er seinen 70. Geburtstag

Reiner Calmund spannendes Leben – Heute feiert er seinen 70. Geburtstag

with Keine Kommentare

Kall – Der prominente Gast, der am Samstag das Möbelhaus Brucker in Kall besuchte, war kein Geringerer als der ehemalige Fußballmanager, Buchhautor und Gourmet Reiner „Calli“ Calmund. Seit zwei Jahren ist der berühmte Fußball-Experte Werbegesicht des Kaller Möbelhauses, in dem er auch seit vielen Jahren treuer Kunde ist.

Calmund, bekanntlich ein Freund leckerer Lebensmittel, hielt sich fast vier Stunden im Foyer des Möbelhauses an der Hüttenstraße auf. Mit den Kunden und Besuchern kam der in der „Kolonie“ bei Brühl geborene Fußballexperte beim „Meet & Greet“ ins Gespräch. Moderator des Treffens mit „Calli“ war der Journalist und Buchautor Manfred „Manni“ Lang in dem Reiner Calmund einen Gesprächspartner gefunden hatte, der über den prominenten Gast bestens informiert war.

Wenige Tage vor seinem 70. Geburtstag, den er am Freitag, 23. November, feiert, stellte der redselige Fußballexperte („Calmund kütt ja von kalle“) in Kall eindrucksvoll unter Beweis, dass er in Talkrunden ein exzellenter Unterhalter ist und dem fragenden Publikum keine Antwort schuldig bleibt. Die Zuhörer erlebten Reiner Calmund als klugen, engagierten und sozialkritischen Zeitgenossen.


Calli heißt eigentlich Reinold

Gleich zum Beginn der ersten Gesprächsrunde überraschte Calmund die Zuschauer mit der Antwort auf die Frage von Manfred Lang, wer in den 70 Jahren die wichtigsten Leute in seinem Leben gewesen seien. „Meine Mutter, ohne wenn und aber“ schoss es aus Calmund heraus. Sie sei immer sein großes Vorbild gewesen – „fleißig, sparsam und in damaligen schweren Zeiten immer optimistisch“. Obwohl die Zeiten damals schwer gewesen, sei er ein glückliches und zufriedenes Kind gewesen.

Calli verriet dann: „Ich heiße Calli, das ist aber nur mein Spitzname; mein richtiger Name ist Reinhold“. Ihn Reinhold zu nennen, sei einer der wenigen Fehler gewesen, den seine Mutter gemacht habe. Als er als Kind schon ein wenig habe lesen können, habe er im Stern „Reinhold das Nashorn“ von Loriot entdeckt. Da habe er sich gedacht: „Du kannst nicht Reinhold heißen, dann rufen dich in der Schule alle Das Nashorn“. So habe er seinen Namen selber in Reiner Calli geändert.


Karriere als Fußballer war schnell vorbei

Calli ließ sich von Moderator Manni Lang viele Geschichten aus seinem Privatleben entlocken, so dass das Publikum erstaunliche Einblicke in das Familienleben und die Gefühlswelt des erfolgreichen Ex-Managers bekam. Er erzählte von seiner glücklichen Kindheit und einer schweren Jugend in einem kleinen Ort bei Brühl, wo er geboren wurde und nach dem Umzug nach Frechen mit den Widernissen des nahe gelegenen Braunkohletagebaus aufwuchs. Als 18-Jähriger musste er seine angestrebte Fußballer-Karriere 1966 wegen eines Knochenabrisses im Sprunggelenk aufgeben.

Sein damaliges Pech sei auch sein Glück gewesen: Calli erzählte von seiner Studentenzeit, in der er sein erstes Geld als Möbelverkäufer verdiente oder als Sportreporter bei der Kölnischen Rundschau. Als er 1976 nach seinem Betriebswirtschaftsstudium bei Bayer Leverkusen eingestiegen sei, habe er damals als Betriebswirt und Nachwuchs-Scout bis zu 4500 Mark verdient. Calli: „Wer hatte das damals schon?“. Im ersten Jahr bei Bayer sei er auch Stadionsprecher gewesen. Das sei allerdings nicht extra bezahlt worden.


70. Geburtstag am 23.November

Im Vorfeld seines 70. Geburtstages hat Reiner Calmund vielen Radio- und Fernsehsendern über sein bewegtes Leben Rede und Antwort gestanden. Am 4. Dezember um 22.15 Uhr so Calmund, sei beim Sender Vox eine zweistündige Dokumentation über sein Leben und Wirken zu sehen. Auch Moderator Manni Lang wollte im Möbelhaus Brucker von Calli wissen, was zum 70. alles auf ihn zukomme. Er versuche das alles ruhig zu halten, habe sich aber entschieden, zwei Feiern zu machen. Im Saarland, wo er jetzt wohne, werde er mit der Familie, seinen Kumpels, seinen Nachbarn und „meinen Ärzten“ feiern.

Eine größere große Fete, zu der er leider „nur“ 270 Gäste einladen könne, finde im Brühler Phantasialand statt. „Mehr passen da nicht rein“, bedauert Calmund. Er habe Bauchschmerzen bei denen, die er nicht einladen könne aber, so Calmund: „ich kann de Leute ja übereinander stapeln“.

Unter der Devise „Kinderlächeln statt Geschenke“ habe er seine Gäste gebeten, ihm keine Geschenke zu machen und stattdessen für das Jugendhilfswerk oder für die Toni-Kroos-Stiftung „Sterbehilfe für Kinder“ zu spenden.

 


Großes soziales Engagement

Recht bekannt ist das soziale Engagement des ehemaligen Fußball-Managers. Auf die Frage Langs, warum Calli so schlecht „Nein“ sagen könne, antwortete der bald Siebzigjähriger bestimmt: „Ich kann schon ein klares Nein sagen, aber alle Menschen, die das Glück haben auf der Sonnenseite des Lebens stehen, müssten sich verpflichtet fühlen älteren Menschen und vor allen Dingen auch Kindern, die auf der Schattenseite stehen, zu helfen und unterstützen. Calli: „Und wer das nicht kann, den muss man zum Arzt schicken um zu schauen, ob bei dem noch alle Rädchen richtig gehen“.

Kürzlich sei er von einer Kölner Tageszeitung fragt worden, was er gern in einem Enthüllungsbuch über die Machenschaften der Bundesliga oder der Medien schreiben würde. Er habe zur Antwort gegeben, dass er kein Enthüllungsjournalist sei. Calli: „Was ich schreiben würde ist ein ganz kleines Buch, das würde ich an alle Mächtigen in Deutschland schicken und auch an die der Welt. Darin würde dann stehen: „Passt mir auf unsere Welt auf und sorgt für unsere Kinder, dass die alle satt zu essen bekommen, gesunde Ernährung und Bildung. Sorgt für die älteren Menschen, damit bei denen keine Armut herrscht und verteilt ein bisschen den Reichtum“. Er habe kein Verständnis dafür, dass in einem reichen Land wie Deutschland ältere Menschen in Armut leben müssen.


Ein Kind aus Thailand adoptiert

Manfred Lang zeichnete kurz die familiären Verhältnisse von Calmund auf, der selber sechs Kinder und vier Enkelkinder habe. Ein Kind namens Nicha sei 2013 unter größten Schwierigkeiten in Thailand adoptiert worden. Reiner Calmund berichtete von dem damaligen Wunsch, noch ein weiteres Kind zu bekommen. Alle Versuche, selbst die einer künstlichen Befruchtung seien fehlgeschlagen. Dann habe man sich zur Adoption eines Waisenkindes aus Thailand entschlossen. Calmund: „Das war das beste, was ich in den letzten 15 Jahren gemacht habe“.

Die Adoption sei mit vielen Schwierigkeiten verbunden gewesen, weil er laut der Haager Konvention in der Bewertung für eine Adoption zu alt gewesen sei. Da Einzelpersonen aber auch Kinder adoptieren können, sei die Adoption über sie in die Wege geleitet worden. Drei Monate sei Callis Frau Silvia zur Beobachtung durch die Behörden mit dem zweijährigen Kind in Thailand zusammen gelebt. In dieser Zeit sei auch er dreimal dorthin gereist und habe schnell festgestellt, dass das Kind und seine Frau schon ein Herz und eine Seele gewesen seien. Er habe noch einmal vor einer großen Kommission erscheinen müssen und dann die Adoption genehmigt worden. Calmund: „Das war einer unserer schönsten Tage“.

Wie Reiner Calmund in Kall berichtete, hätten sie das Kind bei einer Ablehnung der Adoption nicht mehr ins Waisenhaus zurückgebracht. Für ihn sei in einem solchen Fall klar gewesen: „Dann bleiben Onkel Calli und Silvia in Thailand und das Kind wird das unser Pflegekind. Ich hätte das Kind nie mehr hergegebenen, nachdem es sich an uns gewöhnt hatte“.


Von Kindheit an ein Freund der Eifel

Manni Lang fragte Reiner Calmund auch zu seinen Beziehungen zur Eifel und dem Kreis Euskirchen. Seine ganze Familie sei seit vielen Jahren zufriedener Kunde im Möbelhaus Brucker ist, wusste Calmund zu berichten.

Zur Eifel hin habe er von Kindheit an eine enge Verbindung und komme immer wieder gern dahin. Sein Vater sei als Fremdenlegionär im Vietnamkrieg gefallen. Später habe er einen fantastischen Stiefvater und einen total fußballverrückten Stiefopa bekommen, der am Wochenende viel mit ihm unternommen habe. „Wenn sonntags kein Fußball war oder ich nicht im Kino Western mit „Fuzzy“ geschaut habe, bin ich mit dem Opa, ich hatte den besten Opa der Welt, in die Eifel, der damaligen „Toskana für Arme“ gefahren“.

Heimbach, der Rursee bei Schwammenauel, Blankenheim, Kall und Bad Münstereifel seien damals meist die Ziele gewesen. Für ihn seien die Touren immer wie Reisen in einen anderen Erdteil gewesen. Ebenso der Zwangs-Umzug der Familie von Brühl nach Frechen, „obwohl dat nur zwölf Kilometer waren“, so Calmund.

Auch an Iversheim hat das heutige Schwergewicht noch viele Erinnerungen, allerdings weniger gute. Dort sei er damals – im ersten Schuljahr als Schmälster in der Klasse – als kleiner „Hungerhaken“ in einem Kinderheim für Unterernährte gewesen. Der Ex-Manager: „Dat war nix, da waren die Fräuleins mit den glatten Haaren, dat Essen hät mir net jeschmeckt, und immer Händchen halten, marschieren und Lieder singen“. Die Rheinbraun und das RWE hätten die Kinder aus dem Braunkohlerevier in dieser Zeit nach Iversheim zur Erholung und zum Aufpäppeln geschickt.


Calli zeigte große Offenheit

Als Moderator Manni Lang ihm dann auf den Zahn fühlte, weil Calmund angeblich seinem Personal gegenüber ein strenges Regiment führe, konterte Calli scherzhaft und in seiner gewohnt lockeren Art: „Du bis evver ne kleene Drecksack“. Er verlange nicht mehr als Korrektheit und Zuverlässigkeit und habe ein gutes Verhältnis zu seinem Personal, das natürlich auch zu seinem Geburtstag eingeladen sei.

Dass er das Praktische mit dem Nützlichen gut zu verbinden wisse, erklärte Reiner Calmund in aller Offenheit zu seiner Funktion als Fußballexperte beim Bezahlsender Sky. „Wenn ich nicht im Fernsehstudio von Sky sitzen würde, dann wäre ich zu Hause auf der Couch und würde Fußball gucken; so sitze ich im Studio und bekomme das auch noch gut bezahlt“, erwies sich Calli als ehrliche Haut.


Großes Lob für das Restaurant Brucker

Zwischen den Gesprächsrunden schrieb Calli Autogramme was das Zeug hielt und ließ auch keinen Fotowunsch seiner Fans unerfüllt.

Calli besuchte natürlich auch das Brucker-Restaurant Brucker, wo ihn eine besondere Überraschung erwartete. Von der Servicekraft Marion Birkhahn wurde er mit einem großen, selbst gebackenen Schoko-Sahne-Kuchen empfangen. Gourmet Calli war hellauf begeistert von diesem Traum aus Schokolade: Mit Brucker-Junior Maxi teilte sich Calmund ein großes Stück Kuchen.

Hmmm lecker“ urteilte Reiner Calmund über die ihm zuvor beim Mittagessen gereichte Käselauchsuppe. Und auch der Kuchen habe grandios geschmeckt. Für die Restaurantchefin Melanie Frey, den Koch Ben Kromb und die Kuchenbäckerin Marion Birkhahn kam das Lob des bekanntlich kritischen Gourmets einem Ritterschlag gleich.


Zuschauer durften auch fiese Fragen stellen

Calmund hatte den vielen Zuhörern erklärt, dass sie ihm auch „dreckige und fiese Fragen“ stellen könnten. Auf die Frage eines Besuchers, wann Schalke 04 endlich einmal Deutscher Fußballmeister wird, reagierte Calmund mitleidig: „Ich würde ihnen das mal gönnen“. Und dass der Hamburger SV und der 1. FC Köln wieder in die erste Bundesliga aufsteigen, steht für „Calli“ außer Zweifel.

Ein Besucher wollte von Calmund wissen, welcher Partei er nahestehe. Auch hier wich der fast 70-Jährige nicht aus: „Ich wähle immer Schwarz, Rot, Gold“. Er habe damals Adenauer („Den hätte ich zum Geburtstag einladen“) verehrt. Und „von den Roten der SPD fand ich Helmut Schmidt gut, ich fand auch den Schröder gut und jetzt bei der CDU auch die Merkel gut“. Er habe immer die gewählt, die nach seiner Einschätzung „für das Land gut sind“. Er habe auch nichts gegen Ampel oder Jamaika wenn die gut seien. Calmund: „Ich wähle die Mitte, egal ob schwarz oder rot; und wenn es morgen ein Super-Grüner ist, dann treck ich och et jröne Hemp an“.

Die Frage eines Besuchers „Calli, wie schaffst Du es, Dein Gewicht zu halten?“ war fast zu erwarten gewesen. „Du bis evver je janz schöne Drecksack“ musste Calli selbst lachen, womit er großes Gelächter bei den Zuhöreren auslöste. Er habe vor Jahren ein halbes Jahr mit Joe Kelly Sport gemacht und 30 Kilo abgenommen. Heute frage er sich, „warum hast Du das nicht weiter gemacht?“

Es sei ein Fluch und ein Segen, er esse nun mal gern. Dazu komme noch, dass jeder ihm was Gutes tun wolle, wie er gerade im Brucker-Restaurant wieder erfahren habe: „Die Käselauchsuppe hat so gut geschmeckt, und dann kütt die Frau Brucker (Melanie Frey) und bringt mir ganz locker und unverschämt einen ganz fantastischen Schoko-Sahnekuchen“. Calmund: „Die haben den extra für mich gebacken und den muss ich doch wenigstens probieren, sonst sagen die, wat is dat dann für ene komische Vogel“. Also habe er den Kuchen probiert.

Leckereien und Wintergetränke zum Nulltarif gab es beim Calli-Gastspiel auch für die Besucher des Möbelhauses. Viele revanchierten sich indem sie Geld in zwei Spendendosen warfen, die zugunsten der Hilfsgruppe Eifel aufgestellt waren. Als Erlös der Aktion konnte das Möbelhaus am Abend 320 Euro an die Kaller Kinderkrebshilfe übergeben.